10.6. - 16.7.2022

Markus Guschelbauer
IDOL

 

Book presentation and artist talk

30.06.2022, 6:30 pm

with

Christiane Kuhlmann (Heidi Horten Collection)

and Markus Guschelbauer

- Please scroll down for German version -
Measuring the Landscape - Idol by Markus Guschelbauer
Christiane Kuhlmann

Come pensare per immagini is written on a half-folded daily newspaper lying on the ground, which the Italian photographer Luigi Ghirri photographed in Rome in 1978. How can one think in pictures, is the question of the headline, which became a metaphor for Ghirri's photographic action. For the trained surveyor, it was all about the representation of the world, its inventories and images.
 

Markus Guschelbauer has his own, very personal relationship to landscape, to nature and especially to his Carinthian homeland. It has been familiar to him since childhood, and today he approaches it as an artist. He develops rasters, maps the old orchard with built structures, installs anchor points on the water, investigates how images change when individual cassettes in the raster are closed. He obscures lines of sight, fades out environments with structured fabrics, comparable to photographers of the analogue age who used stencils and compartments to free objects in the darkroom. He wraps steles with luminous fabrics, transforming a barn into a sacred space.

These are simple, effective interventions, so that it is evident in front of the picture that the photographer is writing a homage to nature and the images of it on the surface - reviving his idols again and again.

For Markus Guschelbauer, photography means taking a position, locating oneself. It is clear that this act does not allow for a single view, at the latest when built spaces become two-dimensional or objects that seem like drawn lines in the image twist and turn in real or virtual space, so that fixing them seems hardly possible any more.Markus Guschelbauer's works are photographic mental images, a measurement of the landscape, but unlike Ghirri, he does not refer to already existing, pictorial views, but reinvents them and approaches them quite physically.

(Text: Christiane Kuhlmann)

- German version -
Die Vermessung der Landschaft – Idol von Markus Guschelbauer
Christiane Kuhlmann

Come pensare per immagini steht auf einer halb zusammengefalteten, am Boden liegenden Tageszeitung, die der italienische Fotograf Luigi Ghirri 1978 in Rom fotografierte. Wie kann man in Bildern denken, so die Frage der Headline, die zur Metapher für Ghirris fotografisches Handeln wurde. Es ging dem gelernten Landvermesser um die Repräsentation der Welt, um deren Verzeichnisse und Bilder.
 

Markus Guschelbauer hat ein eigenes, sehr persönliches Verhältnis zur Landschaft, zur Natur und im Besonderen zu seiner Kärtner Heimat. Sie ist ihm vertraut seit Kindheitstagen, heute nähert er sich ihr als Künstler. Er entwickelt Raster, kartiert den alten Obstbestand mit gebauten Stellagen, installiert Fixpunkte auf dem Wasser, überprüft wie sich Eindrücke verändern, wenn einzelne Kassetten im Raster geschlossen werden. Er verstellt Blickrichtungen, blendet mit strukturierten Stoffen Umgebungen aus, vergleichbar mit Fotografen des analogen Zeitalters, die Objekte in der Dunkelkammer mit Schablonen und Fächern freistellten.

Mit leuchtenden Stoffen ummantelt er Stelen, die eine Scheune in einen sakralen Raum verwandeln. Es sind einfache, wirkungsvolle Eingriffe, so dass es vor dem Bild spürbar wird, dass der Fotograf eine Hommage an die Natur und die Bilder von ihr auf die Fläche schreibt – seine Idole immer wieder von neuem belebt.

Fotografieren heißt für Markus Guschelbauer, Position zu beziehen, sich zu verorten. Das dieser Akt nicht eine einzelne Ansicht zulässt wird spätestens dann klar, wenn gebaute Räume flächig werden oder Objekte, die im Bild wie gezeichnete Linien wirken, sich im realen oder virtuellen Raum drehen und wenden, so dass eine Fixierung kaum mehr möglich scheint.

Die Arbeiten von Markus Guschelbauer sind fotografische Denkbilder, eine Vermessung der Landschaft, aber anders als Ghirri bezieht er sich nicht auf bereits bestehende, bildnerische Ansichten, sondern erfindet sie neu und nähert sich ihr ganz leibhaftig.

(Text: Christiane Kuhlmann)