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10.7. – 1.8.2026

 

Wien anders .2

Fotografien von Jeannette Handler und Stefan Oláh 

Wien wird seit Jahrhunderten über seine Bilder erzählt: die Ringstraße, das Schloss Schönbrunn, Kaffeehäuser, Fiaker und die Architektur der Jahrhundertwende. Diese Ikonen prägen das kollektive Bild der Stadt und formen eine Identität, die ebenso wirkmächtig wie selektiv ist. Doch jede Stadt besteht ebenso aus Räumen, die sich dieser Bildproduktion entziehen – funktionalen Zonen, Übergängen, Brachen, Hinterhöfen, Infrastrukturen und unscheinbaren Orten des Alltags. Gerade sie erzählen von den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Prozessen, die das urbane Leben bestimmen.

Die Ausstellung Wien anders .2 widmet sich diesen Räumen. Der Titel versteht sich bewusst nicht als abwertende Bezeichnung. Vielmehr verweist er auf Orte, die sich der repräsentativen Wahrnehmung entziehen und deshalb selten Teil des kulturellen Gedächtnisses werden. In Anlehnung an Marc Augés Begriff des „Nicht-Ortes“ richtet sich der Blick auf Räume des Durchgangs, der Funktion und der Anonymität. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung, dass auch diese Orte Geschichte, Erinnerung und Identität hervorbringen können. Sie sind keine leeren Räume, sondern Spiegel der Stadt.

Die Arbeiten von Jeannette Handler und Stefan Oláh eröffnen dazu zwei unterschiedliche fotografische Zugänge.

Jeannette Handler interessiert sich für die Atmosphäre eines Ortes. Ihre Fotografien sind geprägt von einem aufmerksamen, beinahe meditativen Blick, der Licht, Materialität und Vergänglichkeit sichtbar macht.

 Was zunächst beiläufig erscheint, entwickelt in ihren Bildern eine stille Präsenz. Sie zeigt urbane Räume nicht als bloße Architektur, sondern als Orte, in denen Zeit gespeichert ist. Das Unscheinbare wird zum Träger von Erinnerung und Erfahrung.

Stefan Oláh verfolgt einen dokumentarischen Ansatz. Seine Fotografien verzichten auf spektakuläre Perspektiven oder narrative Inszenierungen. Mit großer Präzision untersucht er die gebaute Stadt und richtet seine Aufmerksamkeit auf jene Strukturen, die das urbane Leben organisieren, ohne gewöhnlich wahrgenommen zu werden: Gewerbebauten, technische Anlagen, Hinterseiten, Zwischenräume oder Orte des Arbeitens. Seine Bilder beschreiben die Stadt als funktionales Gefüge und machen sichtbar, dass ihre Identität ebenso durch Infrastruktur wie durch Monumente geprägt wird.

Im Dialog entfalten beide Positionen ein vielschichtiges Porträt Wiens. Sie zeigen eine Stadt jenseits touristischer Klischees – eine Stadt der Übergänge, der Ränder und der unspektakulären Wirklichkeiten. Die Fotografien fordern dazu auf, den Blick zu verlangsamen und das Gewohnte neu zu sehen. Sie erinnern daran, dass die Bedeutung eines Ortes nicht allein aus seiner Schönheit oder historischen Prominenz entsteht, sondern aus den Geschichten, Nutzungen und Erinnerungen, die sich in ihm einschreiben.

Wien anders .2 ist damit eine Einladung, Wien neu zu entdecken - nicht über seine Wahrzeichen, sondern über jene Räume, die meist übersehen werden und gerade deshalb ein besonders präzises Bild der Stadt vermitteln.

Tuesday – Friday

12:00 - 18:00 
Saturday

10:00 - 15:00

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Galerie rauminhalt
Schleifmühlasse 13, 1040 Wien

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