rauminhalt_harald bichler
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Die Fotografie hat sich seit ihren Anfängen nicht nur technisch, sondern vor allem in ihrer Bedeutung und ihrem Verhältnis zur Wirklichkeit verändert.
Der technische Fortschritt mag für die Betrachtung eines fotografischen Bildes heute weniger relevant erscheinen. Entscheidend ist vielmehr, was ein Bild zeigt, welche Geschichte es erzählt und welche Bedeutung wir ihm geben. Der Inhalt, die Aussage eines Fotos ist wichtiger denn je.
Von Beginn an war Fotografie nie allein Abbild, sondern immer auch Interpretation: Sie wurde zur Dokumentation eingesetzt, aus ästhetischen Gründen geschaffen oder gezielt für politische und gesellschaftliche Zwecke, etwa als Propagandamittel, verwendet.
Doch Bilder erzählen nicht nur individuelle Geschichten. Sie greifen häufig auf Motive und Vorstellungen zurück, die uns über Zeiten und Kulturen hinweg vertraut sind. In diesem Zusammenhang lässt sich ein Bezug zu Carl Gustav Jungs Konzept des kollektiven Unbewussten und der Archetypen herstellen. Bestimmte Bildvorstellungen – etwa von Natur, Gemeinschaft, Macht, Bedrohung, Tod oder Erneuerung – begegnen uns in unterschiedlichen Gesellschaften und historischen Epochen immer wieder. Die Fotografie macht solche individuellen und kollektiven Vorstellungen sichtbar und trägt zugleich dazu bei, sie weiterzuentwickeln.
Damit stellt sich heute eine neue, grundsätzliche Frage: Ist das fotografische Bild, das wir sehen, tatsächlich das Abbild einer stattgefundenen Wirklichkeit? Oder ist es mit digitalen Mitteln, etwa durch künstliche Intelligenz, erzeugt oder verändert worden? Wo endet damit die Fotografie und wo beginnt eine neue visuelle Kategorie? Und welche Bedeutung hat der Begriff „Fotografie“, wenn das Bild nicht mehr zwingend auf einer vorgefundenen Realität basiert?
Gerade im Zeitalter der künstlichen Intelligenz wird damit auch die Frage nach dem Verhältnis von individuellem und kollektivem Bildgedächtnis neu gestellt. KI erzeugt Bilder nicht aus eigener Erfahrung, sondern aus einer gewaltigen Menge bereits vorhandener visueller Informationen. Sie greift auf Bilder zurück, die von Menschen geschaffen, ausgewählt, verbreitet und kulturell geprägt wurden. In diesem Sinne stellt sich die Frage, ob sich in den von KI erzeugten Bildern nicht auch jene wiederkehrenden Muster und Bildvorstellungen zeigen, die Jung als Archetypen beschrieben hat – und ob die Maschine damit letztlich ein visuelles Gedächtnis unserer Gesellschaft spiegelt.
Die Ausstellung „Fotografie ... und jetzt.“ zeigt unterschiedliche fotografische Positionen und richtet den Blick weniger auf die technischen Entwicklungen als auf die Inhalte und Fragestellungen, die sich mit dem Medium verbinden. Fotografische Arbeiten zu aktuellen gesellschaftlichen und ökologischen Themen – etwa zu Klima und sozialen Veränderungen – treffen auf Positionen, in denen die dokumentarische Funktion der Fotografie im Mittelpunkt steht.
Dabei geht es auch um die Frage, welche Bilder uns prägen, welche Wirklichkeiten wir durch Bilder erkennen und welche wir durch sie erst erzeugen. Die Ausstellung versteht Fotografie daher nicht ausschließlich als Dokumentation des Sichtbaren, sondern als Teil eines kulturellen Bildgedächtnisses.
11.9. – 17.10.2026
Fotografie... und jetzt.
Mit Arbeiten von
Sylvia Eckermann/Gerald Nestler
Sebastian Karim Eder
Markus Guschelbauer
Regina Hügli
Hertha Hurnaus
Leo Kandl
Nikolaus Korab
Elfriede Mejchar Cornelia Mittendorfer
Stefan Oláh
Oliver Ressler Steinbrener/Dempf & Huber Herwig Turk
Kiran Zyman









